Ausgesperrt und abgezockt

In Deutschland gibt es circa 25.000 Schlüsseldienste. Neben regional ansässigen, seriösen Schlüsseldienste befinden sich darunter leider auch einige schwarze Schafe, betrügerische Unternehmen, die durch aggressive und hinterlistige Werbemaßnahmen an Aufträge ahnungsloser Opfer herankommen wollen und dabei Preise verlangen, die nicht mehr mit einer seriösen Dienstleistung zu tun hat. Es wird dabei mit der Not der Menschen gespielt und daraus aus Eigennutz und Habgier ein starker Profit geschlagen. Das hinterlassene Ergebnis entspricht dabei nur selten dem geforderten Preis.

So können Sie sich schützen

Seriöse Schlüsseldienste unterscheiden sich dahingehend erheblich von Unseriösen. Der maximale Preis für eine Türöffnung (ca. 89,- Euro) inkl. Anfahrt (30,- Euro) am Tage sollte 150 Euro nicht überschreiten. Liegt der geforderte Preis auch Nachts oder am Wochenende um mehr als das Doppelte darüber, grenzt dieser fast schon an Wucher oder ist sittenwidrig. Leider bleiben diese Firmen immer 3-5 % unter der Wuchergrenze, sodass die Staatsanwaltschaft nicht eingreifen kann.

Damit Sie nicht mehr auf die Tricks unseriöser Schlüsseldienste reinfallen, haben wir in unserem Artikel die 15 goldenen Verhaltensregeln auf der Suche nach einem ortsansässigen Schlüsseldienst für Sie festgehalten:

1. Vorbereitung ist alles

Damit Sie im Ernstfall nicht erst noch nach dem besten Anbieter suchen müssen, vergleichen Sie am besten schon im Voraus die verschiedenen Schlüsseldienste in Ihrer Umgebung. Am besten einen Zettel mit Namen und Telefonnummern unter der Fußmatte deponieren. In jedem Fall sollten Sie auch im Ernstfall die Anbieter vergleichen. Gerade im Internet haben Sie hier gute Möglichkeiten.

2. Bevorzugen Sie ortsansässige Firmen

Das Impressum der Internetseite eines Schlüsseldienstes gibt Auskunft darüber, welchen Standort das Unternehmen hat. In Branchenbüchern sollte auch die komplette Firmenadresse mit Hausnummer stehen. Bedenken Sie dabei immer, dass ein lokaler Notdienst eine wesentlich kürzere Anfahrtszeit hat als überregionale Unternehmen. Erfragen Sie gleich beim ersten Anruf die genaue Anschrift. Haben Sie einen Notdienst unter Ihrer örtlichen Vorwahl erreicht, so brauchen Sie nur noch die Kosten für An- und Abfahrt innerhalb der Ortsgrenzen zu zahlen. Darüber hinausgehende Beträge streichen Sie von der Rechnung.

2. AAA“ meiden

Im Internet und Telefonbuch tummeln sich viele schwarze Schafe, die mit hinterlistigen Methoden an Ihre Aufträge kommen. Angefangen mit dem Firmennamen. Jene, die mit AAA, 0 oder @ anfangen dienen dazu, in den Telefonbüchern als erstes gelistet zu werden. Häufig werden diese Namen nur leicht abgewandelt, sodass eine Firma gleich beim zweiten oder dritten Eintrag wieder erscheint.

3. Kosten vorab klären

Haben Sie einen Anbieter am Telefon, sollten Sie das Problem genau schildern. Zum Beispiel: „Die Tür ist nur zugefallen“. Fragen Sie nach einem verbindlichen Festpreis inklusive aller Nebenkosten. Dieser liegt in der Regel zwischen 75 und 100 Euro für eine übliche einfache Notöffnung im Tagesgeschäft. Der Mitarbeiter am Telefon eines seriösen Schlüsseldienstes kann Ihnen in jedem Fall einen Festpreis nennen. Macht der Anbieter keine Angaben zu den möglichen Kosten, sollten Sie besser einen anderen auswählen.

4. Beauftragen Sie nur das Öffnen der Tür

Legen Sie bei der Auftragserteilung an den Schlüsseldienst fest, dass nur die verschlossene Tür wieder geöffnet werden soll. Eine Auswechslung des ganzen Schlosses ist in den meisten Fällen gar nicht notwendig.

5. Ausweis, bitte

Ein seriöser Schlüsseldienst prüft bei seiner Ankunft stets Ihre Identität und fragt nach einem Ausweis, bevor er die Tür aufschließt. So stellt er sicher, ob die Wohnung oder das Haus auch wirklich Ihnen gehört. Zwielichtigen Anbietern ist das meist egal.

6. Ein Fachmann genügt

In den meisten Fällen reicht ein Handwerker. Kommen zwei, müssen Sie eventuell auch für beide zahlen! Um ein unnötiges Hochschrauben der Rechnung zu verhindern, sollten Sie die Arbeitsaufnahme durch weitere Mitarbeiter vor Zeugen zurückweisen.

7. Unterschreiben Sie nichts ungeprüft

Unseriöse Schlüsseldienste bestehen vor Beginn der Arbeiten darauf, dass Sie ein vorgefertigtes Auftragsformular unterschreiben. Prüfen Sie vorgefertigte Auftragsformulare vor der Unterschrift genau – streichen Sie nicht vereinbarte oder ungewünschte Passagen raus oder bestätigen Sie nur die Erteilung des Auftrags. Niemand kann Sie zwingen, nicht vereinbarte Regelungen zu akzeptieren.

8. Festpreis bestätigen lassen

Das Öffnen einer Tür mit üblichem Schloss dauert in der Regel zehn bis dreißig Sekunden und kostet etwa 75 bis 100 Euro. Fragen Sie vor der Auftragsvergabe nach dem verbindlichen Komplettpreis für die Türöffnung und einigen Sie sich mit dem Schlüsseldienst auf einen Festpreis. Am besten führen Sie das Gespräch unter Zeugen.

9. Keine Spezialwerkzeuge

Für eine zugefallene Tür benötigt ein Schlüsseldienst eigentlich nur ein Blech, um den Schieber zurückzudrücken. Achten Sie darauf, dass nicht unnötig Spezialwerkzeuge verwendet werden. Andernfalls verlangt ein unseriöser Schlüsseldienst gut und gerne saftige Spezialwerkzeugkosten.

10. Auf eine detaillierte Rechnung bestehen

Sie haben Anspruch auf eine Rechnung, die Arbeitszeit, Stundenlohn, Material und Fahrtkosten detailliert und getrennt auflistet. Unseriöse Dienstleister werden mit allen Mitteln versuchen, den Betrag gleich bar zu kassieren – lassen Sie sich nicht darauf ein und fahren Sie unter keinen Umständen mit dem Monteur zum nächsten Geldautomaten. Zahlen Sie nur, wenn eine detaillierte Rechnung mit allen Einzelposten vorliegt und diese der Vereinbarung entspricht.

11. Eingehende Prüfung

Akzeptieren Sie nur sachgerechte Leistungen. Die Fahrtkosten von Firmen vor Ort dürfen nur innerhalb der Ortsgrenze berechnet werden. Weiterhin dauert das Öffnen einer lediglich zugefallenen Tür nur kurze Zeit und geht meistens ohne Beschädigung vonstatten. Sollte der Notdienst allerdings an Feiertagen, am Abend oder in der Nacht benötigt werden, können noch Zuschläge von 50 bis 100 Prozent auf den reinen Arbeitslohn hinzukommen. Prüfen Sie die Rechnung und zahlen Sie diese nur dann, wenn jede Position korrekt ausgeführt wurde. Haben Sie das Gefühl, dass die Rechnung zu hoch ist, lassen Sie diese prüfen oder melden Sie sich beim Verbrauchschutz. Im Ernstfall bei der Polizei. Leisten Sie im Falle einer Unsicherheit eine Anzahlung unter Vorbehalt – mehr nicht!

12. Keine Bearbeitungs- oder Buchungsgebühr zahlen

Manche Schlüsseldienste verlangen eine Bearbeitungs- oder Buchungsgebühr, wenn Ausgesperrte sich weigern, die Rechnung sofort in bar oder per Scheck zu zahlen. Laut einem Urteil des Landgerichts Bremen ist dies unzulässig (Az.: 1 O 725/96). Auch Aufschläge wie „Spezialwerkzeugkosten“ „Sofort- oder Bereitstellungszuschläge“ sind nicht erlaubt, entschied das Amtsgericht Frankfurt am Main (Az.: 31 C 63/98-44).

13. Nötigung ist strafbar

Unseriöse Schlüsseldienste machen auch keinen Halt davor, Sie zu nötigen. Sie arbeiten mit verbalem Druck oder sperren Sie gar wieder aus, wenn Sie die Rechnung nicht an Ort und Stelle begleichen. Nötigung ist strafbar, also lassen Sie sich diese nicht gefallen. Es ist Ihr gutes Recht, jemanden aus Ihrer Wohnung oder von Ihrem Grundstück zu verweisen. Kommt der Notdienstmitarbeiter Ihrer Aufforderung nicht nach, können ihm strafrechtliche Konsequenzen drohen. Haben Sie den Verdacht, einem unseriösen Notdienst zum "Opfer" gefallen zu sein, dann rufen Sie die Polizei. Allerdings sollten Sie hier die Kontaktdaten des Schlüsseldienstes kennen und den Sachverhalt in allen Einzelheiten angeben können – wenn möglich auch mit Bestätigung eines Zeugen.

14. Ersatzschlüssel beim Nachbarn deponieren

Den ganzen Trubel mit dem Schlüsseldienst können Sie sich sparen, wenn Sie einen Ersatzschlüssel beim Nachbarn deponieren. Das kostet nichts – höchstens ein Dankeschön.

Als Faustregel gilt: Seriöse Anbieter geben im Telefonbuch ihren korrekten Namen und Adresse an und teilen auf Anfrage auch verbindliche Preise mit. Die genauen ortsüblichen Preise für Notdiensteinsätze erfährt man bei der Handwerkskammer. Auch eine Zahlung auf Rechnung ist in der Regel problemlos möglich.